Tim Slagman

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The Endless

  • USA 2017
  • R: Justin Benson

Ein mysteriöses Video mit der scheinbaren Ankündigung eines Massenselbstmords verleitet zwei Brüder dazu, zu einer obskuren kleinen Sekte zurückzukehren, die sie zehn Jahre zuvor verlassen haben. Während sie freundlich aufgenommen werden, häufen sich unerklärliche Ereignisse, die das Misstrauen des einen Bruders weiter schüren, während der andere die Abkehr von der Sekte inzwischen offen bedauert. Sorgfältig inszenierter Independent-Horrorfilm, der einige Längen in der Ausbreitung der zwischenmenschlichen Dynamik aufweist. Die drastischen Enthüllungen sind jedoch klug dosiert und die Mythologie wird immer wieder auf die menschliche Ebene heruntergeholt.

Tim Slagman | 16.08.2018

Duncan Jones: Der Mensch in Auflösung

Die Filme von Duncan Jones sind Erkundungen eines unbekannten Terrains, das mit dem Schmerz der Erkenntnis droht, dass alle Stabilität sich auflösen wird. Der Sohn des legendären Musikers David Bowie startete als Spielfilm-Regisseur 2009 mit dem kammerspielhaften Science-Fiction-Film „Moon“. Mit seiner vierten Regiearbeit „Mute“ knüpft Duncan Jones nun an seine Anfänge an. Doch der Vorstellung, damit schließe sich erzählerisch ein Kreis, bleibt zu misstrauen.

Tim Slagman | 19.04.2018

Ghost Stories

  • Großbritannien 2017
  • R: Andy Nyman

Ein auf parapsychologische Phänomene spezialisierter Psychologe wird von einem totgeglaubten Kollegen herausgefordert, drei übernatürliche Vorkommnisse wissenschaftlich zu erklären. Der episodenhaft nach einem Bühnenstück gestaltete Film besticht durch die mit großer Sorgfalt inszenierte Beschreibung der Ängste und Zerrüttung der Protagonisten. Doch inszenatorisch zieht sich der Film allzu schnell auf etablierte Standards des filmischen Horrors zurück, die zwar effektiv, aber wenig originell eingesetzt werden.

Tim Slagman | 19.04.2018

The Virgin Psychics

  • Japan 2015
  • R: Sion Sono

Ein Team sexhungriger Jungmänner erhält übernatürliche Kräfte und muss sich damit der kosmisch gesteuerten Sexualisierung einer japanischen Kleinstadt entgegenstellen. In grell überzeichneten Szenen voll derber Komik entlarvt die Manga-Verfilmung eine übersexualisierte Kultur. Der hysterische Inszenierungsmodus erschöpft sich gelegentlich in Redundanzen, räumt aber auch romantischen Ideen einer reinen Liebe Raum ein.

Tim Slagman | 13.04.2018

Ghostland

  • Frankreich 2018
  • R: Pascal Laugier

Eine Mutter bezieht mit ihren Töchtern das Haus der verstorbenen Erbtante. Doch schon am ersten Abend wird die Familie überfallen und stürzt in einen nicht enden wollenden Taumel aus Wahn und Gewalt. In kunstvoller Drastik inszeniert der Horror-Spezialist Pascal Laugier die mehrschichtige, wendungsreiche Tortur der Überfallenen – intensiv und ohne Angst vor genretypischer Überzeichnung. Dabei spielt er souverän mit den Erwartungshaltungen an das Genre, verzichtet aber auf die nachhaltende Verstörung, die sein Film „Martyrs“ (2008) einst auslöste.

Tim Slagman | 05.04.2018

Ready Player One

  • USA 2018
  • R: Steven Spielberg

In der Zukunft haben zwei Entwickler die perfekte virtuelle Realität OASIS erschaffen. Als einer von ihnen stirbt, tritt ein Teenager mit seinem Avatar gegen die Ressourcen eines Megakonzerns an, der die OASIS für sich gewinnen möchte. Spektakulär gestaltete Verfilmung eines Romans über virtuelle Welten mit zahlreichen Anspielungen auf die Popkultur der 1980er-Jahre, während die analoge Gegenwart als grob skizzierte Dystopie angelegt ist. Letztlich bleibt der Versuch, Überwältigungskino und eine Geschichte von Freundschaft und Zusammenhalt zu verknüpfen, oberflächlich, weil die Figuren und ihre realweltlichen Probleme aller erzählerischer Bemühungen zum Trotze nur als Intermezzi des Spektakels erscheinen.

Tim Slagman | 05.04.2018

The Florida Project

  • USA 2017
  • R: Sean Baker

In den Motels rund um Disney World in Orlando, wo kaum Touristen stranden, sondern mittel- und vaterlose Kleinstfamilien hausen, erlebt ein sechsjähriges Mädchen mit seinen Freunden und seiner Mutter einen Sommer voller Möglichkeiten und Härten. Im strahlenden Licht von Florida und mit den grellen Bonbonfarben des Vergnügungskomplexes porträtiert der Film eine Scheinwelt, ohne deren Verlockungen zu denunzieren noch deren Verlogenheit zu leugnen.

Tim Slagman | 15.03.2018

Auslöschung

  • USA 2018
  • R: Alex Garland

Um herauszufinden, was mit ihrem Ehemann geschehen ist, der auf krankhafte Weise verändert von einem Militäreinsatz zurückgekommen ist, bricht eine Biologin mit einem Team von Wissenschaftlerinnen in jene Küstenregion der USA auf, wo die Natur und die Menschen eine unheimliche Wandlung erfahren. Der Mystery-Thriller nach dem ersten Band einer Romantrilogie von Jeff VanderMeer erzählt visuell und akustisch ambitioniert vom Verlorengehen der Menschen angesichts der Konfrontation mit etwas Unfassbarem. Die Rätselhaftigkeit des Mikrokosmos verbirgt sich im Bildhaften; die überbordende, fremde Pracht definiert damit die metaphysischen Fragestellungen des Stoffes.

Tim Slagman | 12.03.2018

Death Wish

  • USA 2018
  • R: Eli Roth

Ein stoischer Chirurg aus Chicago erwacht aus seiner Zurückhaltung, als seine Frau bei dem Überfall durch eine Gang getötet wird und seine Tochter ins Koma fällt. Angesichts einer handlungsunfähigen Polizei bewaffnet er sich und hinterlässt auf der Suche nach den Mördern ein Blutbad unter den Kriminellen der Stadt. Remake des kontroversen Selbstjustiz-Thrillers „Ein Mann sieht rot“ (1974), das wenig Interesse zeigt, den Stoff für die Gegenwart neu zu interpretieren. Als kalkulierte Provokation versagt die Arbeit ebenso wie im Versuch, Empathie für die gewalttätige Wandlung der Hauptfigur zu wecken.

Tim Slagman | 08.03.2018

Mute

  • Großbritannien 2018
  • R: Duncan Jones

Ein junger Amish, der durch einen Unfall seine Sprechfähigkeit verloren hat, sucht im Berlin des Jahres 2052 nach seiner verschwundenen Lebensgefährtin. Seine Suche überschneidet sich mit der eines Deserteurs der US-Army, der mit seiner Tochter Berlin verlassen will. In einem faszinierenden Ineinander von gegenwärtigem und futuristischem Stadtbild erzählt Regisseur Duncan Jones nur vordergründig einen herkömmlichen Future-noir-Thriller und packt viel stärker mit der Geschichte einer ambivalenten Figur, die sich zu Liebe wie zu entsetzlicher Gewalt fähig zeigt.

Tim Slagman | 23.02.2018

Die Verlegerin

  • USA 2017
  • R: Steven Spielberg

Im Sommer 1971 muss die Herausgeberin der „Washington Post“ mit ihrem Team entscheiden, ob die US-Tageszeitung Erkenntnisse aus einem geheimen Pentagon-Dossier veröffentlichen will, das die US-Regierung schwer belastet. Ohne Pathos und weitgehend nüchtern inszeniert, verlässt sich die Inszenierung vor allem auf die großartigen Darsteller. Der Film leidet allerdings unter einem geradezu missionarischen Impuls und dem impliziten Zwang, einen Kommentar zur Gegenwart abgeben zu müssen.

Tim Slagman | 22.02.2018

Black Panther (2018)

  • USA 2018
  • R: Ryan Coogler

Fantasy-Actionabenteuer um eine Marvel-Comicfigur, die in einer von der Außenwelt abgeschirmten Hochkultur mitten in Afrika über ein außerirdisches Metall wacht und sich eines mächtigen Gegenspielers erwehren muss. Der zwischen Mythos und Aufklärung, Archaik und Science Fiction schillernde Film verschmilzt die in der Realität begründete Umgebung mit fantastischen Computerwelten und einer gut ausgearbeiteten Story, in der die Superkräfte des Protagonisten nur sekundäre Bedeutung haben. Die komplexen politischen Ansätze werden letztlich aber einem standardisierten Heimatpathos geopfert.

Tim Slagman | 15.02.2018

It Comes at Night

  • USA 2017
  • R: Trey Edward Shults

Eine Familie, die sich in einer postapokalyptischen Welt in ihrem Haus verbarrikadiert hat, nimmt zögerlich eine andere Familie auf. Schon bald aber zieht wieder Misstrauen in die fragile Konstellation ein, sodass alles unausweichlich auf eine Eskalation zusteuert. Suggestiv inszenierter Horrorthriller, der die Atmosphäre der Paranoia hervorragend einfängt und niemals auf platte Schockeffekte oder Bildexzesse zurückgreift. So gelingt eine Neuformulierung von Genrestandards, ohne den emotionalen Gehalt der Innovation zu opfern.

Tim Slagman | 18.01.2018

The Commuter

  • USA 2017
  • R: Jaume Collet-Serra

Ein soeben gefeuerter Angestellter einer New Yorker Versicherungsgesellschaft wird auf der Rückfahrt ins ländliche Umfeld der Stadt von einer mysteriösen Unbekannten gezwungen, eine Person im fahrenden Zug ausfindig zu machen. Als der Pendler nicht gleich auf ihr Ansinnen eingeht, gerät das Leben anderer Mitreisender wie das seiner Familie in Gefahr. Der glänzend ausgearbeitete und suggestiv fotografierte Thriller streift das moralische Dilemma des Protagonisten eher am Rande. Dafür beeindruckt umso mehr das atmosphärische Design des klaustrophobischen Handlungsortes und die stringent dynamische Inszenierung.

Tim Slagman | 11.01.2018

Wonder Wheel

  • USA 2017
  • R: Woody Allen

Ein US-Student verdingt sich in den 1950er-Jahren während der Semesterferien am Strand von Coney Island als Rettungsschwimmer. Dort beginnt er eine Affäre mit einer verheirateten Frau und verliebt sich zugleich in die Tochter von deren Ehemann. Die Dreiecksgeschichte lotet im Mikrokosmos des Vergnügungsviertels an der Ostküste höchst eindringlich Leid und Leidenschaft aus. Die schwelgerische Inszenierung ergeht sich in erzählerischen Manierismen, die vor der lebensnahen Figurenzeichnung und dem bewegenden Spiel der Darsteller aber verblassen. Insbesondere durch die anti-realistische Lichtsetzung verwandelt sich der Sehnsuchtsort vieler US-Amerikaner in ein nahezu zeitloses Märchenland.

Tim Slagman | 11.01.2018

Cinematic Journalism

Die US-Regisseurin Kathryn Bigelow und ihr Drehbuchautor Mark Boal haben in ihren gemeinsamen Filmen eine Dramaturgie entwickelt, die sie „Cinematic Journalism“ nennen. Die Zuschauer werden dabei extrem stark in die fiktionalisierten historischen Geschehnisse einbezogen. Wie im Film „Detroit“. Die Frage: Verflüchtigt sich dabei der gesellschaftliche Kontext?

Tim Slagman | 09.12.2017

S.U.M. 1

  • Deutschland 2017
  • R: Christian Pasquariello

Seit die Welt von außerirdischen Kreaturen zerstört wurde, leben die Menschen unter Tage. Als ein Rekrut für 100 Tage in einen Aussichtsturm auf der Erdoberfläche geschickt wird, lassen ihn Einsamkeit und Monotonie bald an seinem Verstand zweifeln. Das zunächst kammerspielartige Science-Fiction-Drama wandelt sich zum soliden Paranoia-Thriller, der die Klaustrophobie seines Interieurs zugunsten abgründiger Panoramen der menschenleeren Landschaft und einer klotzigen Betonarchitektur aufbricht. Die psychische Verheerung der Isolation ergründet der Film freilich nur oberflächlich.

Tim Slagman | 09.12.2017

Tokio Hotel - Hinter die Welt

  • Deutschland 2017
  • R: Oliver Schwabe

Zum Auftakt der weltweiten „Dream Machine Tour 2017“ der deutschen Pop-Band Tokio Hotel beschreibt der Dokumentarfilm den Wandel, den die Mitglieder seit ihrem kometenhaften Erfolg Mitte der 2000er-Jahre erfahren haben. Dabei nutzt er weitgehend distanzlos Archivmaterial und Interviews, Konzert-, Studio- und Backstage-Mitschnitte, ohne dass sich im Klang- und Lichterrausch der Montage eine eigenständige Perspektive erkennen ließe. Auch für die traumatischen Erfahrungen der Musiker, die das Publikum extrem polarisieren, fehlt dem auf Hochglanz polierten Fan-Film die Sensibilität.

Tim Slagman | 09.12.2017

Detroit (2017)

  • USA 2017
  • R: Kathryn Bigelow

Im Sommer 1967 eskalieren in Detroit die Rassenunruhen in fünftägigen Straßenschlachten. Als aus dem überwiegend von Afroamerikanern bewohnten Hotel „Algiers“ Schüsse ertönen, stürmen Polizei und Militär die Anlage und setzen die Bewohner brutal unter Druck. Auf der Basis der Erinnerungen von Beteiligten konzentriert das Drama die Geschehnisse auf die gewaltsame Razzia, wobei es auf Strategien der filmischen Intensivierung setzt, um die schockierende Gewalt und den unüberschaubaren Aufstand erlebbar zu machen. Während die gesellschaftliche oder historische Kontextualisierung in den Hintergrund tritt, wird der thematische Bezug zum Rassismus der Gegenwart umso deutlicher.

Tim Slagman | 25.11.2017

Girls Trip

  • USA 2017
  • R: Malcolm D. Lee

Vier afroamerikanische Freundinnen, die sich nach der High-School-Zeit aus den Augen verloren haben, verabreden sich zu einem Trip nach New Orleans, um das „Essence Music Festival“ zu besuchen und damit ihre gemeinsame Vergangenheit als Party-Löwinnen wieder aufleben zu lassen. Die Inszenierung setzt auf derben Humor und eine drastische Sprache, bleibt dramaturgisch aber äußerst konventionell. Interessant ist der Film vor allem als Vertreter eines afroamerikanischen Mainstream-Kinos, das hierzulande sonst nur wenig Beachtung findet.

Tim Slagman | 25.11.2017

Fluidø

  • Deutschland 2017
  • R: Shu Lea Cheang

In der Zukunft ist das HI-Virus mutiert, die Körperflüssigkeiten der Träger wirken als machtvolle Droge. Eher eine pornografische Performance als klassische Erzählung, variiert der Film in wechselnden Tableaus den Zusammenprall von Körpern und deren Gelüsten mit einer sterilen, von Emblemen des Digitalen und Technischen ausgestatteten Umwelt. Ist diese Struktur einmal etabliert, wirkt die Abfolge von sexuell aufgeladenen Szenen nur noch ermüdend.

Tim Slagman | 11.11.2017

Professor Marston & The Wonder Women

  • USA 2017
  • R: Angela Robinson

Die Lebensgeschichte des US-amerikanischen Psychologie-Professors Wiliam Moulton Marston (1893-1947), der als Erfinder der Comic-Figur „Wonder Woman“ gilt. Mit großer erzählerischer Freiheit interpretiert der Film eine Dreiecksbeziehung des wegen seiner ungewöhnlichen Theorien umstrittenen Akademikers mit seiner Ehefrau Elizabeth und der Studentin Olive Byrne, wobei sich die emanzipatorische Sprengkraft dieses Lebensmodells in der biederen Inszenierung kaum entfalten kann. Auch fällt es der Dramaturgie zunehmend schwerer, chronologisch weit auseinanderliegende Ereignisse konzentriert und stringent zu strukturieren.

Tim Slagman | 28.10.2017

Vorwärts immer!

  • Deutschland 2017
  • R: Franziska Meletzky

Im Oktober 1989 versucht ein Ost-Berliner Theater-Ensemble mit einem gewagten Plan, einen angeblich von Erich Honecker erlassenen Schießbefehl bei der Montagsdemonstration zu revidieren. Inspiriert von Ernst Lubitschs Filmklassiker „Sein oder Nichtsein“ (1942), rekapituliert die Verwechslungs- und Verkleidungskomödie die letzten Tage der DDR. Das Klischee von der Biederkeit des Staatsapparats wird dabei so lustvoll ausgeschlachtet, wie sich die Inszenierung durch historisch-moralische Bedenken nicht bremsen lässt, ihr komisches Potenzial auszuspielen. Mitunter kollidieren dabei die Leichtigkeit und das Tempo der Komödie mit dem Ernst des Themas.

Tim Slagman | 14.10.2017

Dunkirk

  • USA 2017
  • R: Christopher Nolan

Von historischen Begebenheiten inspiriertes Kriegsdrama, das auf drei miteinander verschränkten Zeitebenen von der Rettung britischer Soldaten aus der von der Wehrmacht eingekesselten nordfranzösischen Hafenstadt Dünkirchen im Mai 1940 erzählt. Zu Lande, zu Wasser und in der Luft entsteht eindrucksvoll eine Chronologie der Evakuierung, bei der die autarken Erzählstränge immer wieder virtuos gegenübergestellt und zu atemberaubenden Spannungsbögen verbunden werden. Eine höchst kunstvolle Reflexion filmischer Erzählmuster, bei der in den vermeintlich nebengeordneten Seitensträngen auch singuläre menschliche Großtaten im Schatten mörderischer Kriegsstrategien angesprochen werden.

Tim Slagman | 05.08.2017

Get out

  • USA 2017
  • R: Jordan Peele

Ein junger Afroamerikaner absolviert seinen Antrittsbesuch bei den Eltern seiner weißen Freundin. Diese begegnen ihm zunächst freundlich und aufgeschlossen, doch allmählich eröffnen seltsame Verhaltensweisen hinter der Fassade den Blick auf ein grauenhaftes Geheimnis. Ambitionierter Thriller, der kritische Aussagen zum Alltagsrassismus in den USA mit dem Repertoire des Horrorfilms vermitteln will. Dabei geht er oft zu plakativ und thesenhaft vor und entwickelt seine faszinierendsten Momente erst im spektakulären Finale.

Tim Slagman | 29.04.2017

Free Fire

  • Großbritannien 2016
  • R: Ben Wheatley

In den späten 1970er-Jahren kommt es in Boston zu einem verpatzten Waffendeal, den eine Mittelsfrau zwischen irischen Gangstern und zwielichtigen Waffenhändlern eingefädelt hatte und der bei der Warenübergabe völlig aus dem Ruder läuft. Regisseur Ben Wheatley, der sich mit surrealen, schwarzhumorigen Stoffen einen Namen gemacht hat, schielt bei der Inszenierung des Blutbads allzu offensichtlich auf den Kultstatus vergleichbarer Filme, wobei weder Rasanz noch erzählerische Dringlichkeit entstehen. Lediglich Details der Montage und der Farbästhetik überzeugen im Rahmen des Genres.

Tim Slagman | 01.04.2017

Ghost in the Shell (2017)

  • USA 2017
  • R: Rupert Sanders

Eine nach einem Unfall technologisch „optimierte“ Cyber-Polizistin fahndet nach einem mächtigen Hacker, der in die Gehirne der Menschen eindringen kann. Dabei beginnt sie, immer mehr an der offiziellen Version ihrer Herkunftsgeschichte zu zweifeln. Science-Fiction-Film als Realversion des gleichnamigen Animes aus dem Jahr 1995, der das schillernde Bild einer vernetzten Gesellschaft entwirft, in der Mensch, Maschine und digitaler Code in unterschiedlichen Varianten miteinander verschmolzen sind. Dabei fragt er nach Identität und Einzigartigkeit im digitalen Zeitalter, was aber zugunsten des überwältigend gestalteten Zukunftsalltags in den Hintergrund rückt.

Tim Slagman | 01.04.2017

Life (2017)

  • USA 2017
  • R: Daniel Espinosa

Eine Forschungssonde bringt vom Mars einen außerirdischen Organismus auf die Internationale Raumstation ISS. Das „Calvin“ getaufte Wesen entpuppt sich zunehmend als aggressiv und tödlich. In Anlehnung an vergleichbare „Alien“-Sujets widmet sich der Science-Fiction-Thriller mit großer Sorgfalt den Figuren und ihrem bewegenden Überlebenskampf. Der fast durchgängig in der Schwerelosigkeit spielende Film erzeugt durch die Kombination von Schweben und klaustrophobischer Enge während der Flucht- und Verfolgungssequenzen ein hohes Maß an Spannung.

Tim Slagman | 01.04.2017